Wir haben mit einem Squirting-Masseur aus Zürich gesprochen | annabelle | Erstellt: 27.7.2021



Patrick Angele bietet in Zürich Squirting-Massagen an. Wie das abläuft und warum die weibliche Ejakulation zu den grössten Tabus unserer Zeit zählt, erzählt er im Interview.


annabelle: Wie kamen Sie dazu, Squirting-Massagen zu geben?
Patrick Angele: Ich bin gelernter medizinischer Masseur und habe mich vor viereinhalb Jahren nach einer Weiterbildung mit Tantramassagen selbständig gemacht. Dabei ist es immer mal wieder passiert, dass Frauen ejakulierten – viele von ihnen schämten sich und wussten gar nicht, was da passiert war. Die meisten dachten, sie hätten ins Bett gepinkelt. Was mich dazu brachte, ein Angebot zu schaffen und das Ganze zu benennen. Und nun gebe ich Squirting-Massagen.

Wie genau sehen die aus?
Eine Squirting-Massage unterscheidet sich gar nicht gross von einer Tantramassage, ich richte einfach das Augenmerk klarer auf die G-Fläche oder die Prostata. Nebenbei bemerkt wissen die wenigsten Frauen, dass auch sie eine Prostata besitzen. Die kann je nach Anatomie mal grösser, mal kleiner ausgeprägt sein, mal weiter vorn oder hinten an der Blase liegen. Bei Stimulation wird jedenfalls ein Sekret erzeugt, dass durch die Harnröhre abgegeben werden kann. Spannenderweise ejakulieren seit der Ausweitung meines Angebotes mehr Frauen, auch wenn sie gar nicht speziell die Squirting-Massage gebucht haben.

Wie das?
Alleine schon zu wissen, dass ich als Masseur offen bin, ermöglicht meiner Kundin ein Loslassen. Bei mir weiss sie: ‹Ich darf hier kommen, ich darf eine Sauerei machen, spritzen, viel sein› – das macht enorm viel aus. Neben der Angst vor einem Kontrollverlust ist es ja auch die Sehnsucht, Kontrolle verlieren zu dürfen, die Menschen zu mir führt. Zu wissen, dass da jemand ist, der sie hält, macht vieles möglich. Dazu aber muss man natürlich erstmal wissen, wozu der eigene Körper fähig ist. Es ist erstaunlich, aber der durchschnittliche Wissensstand ist bei den meisten gleich null, deswegen beginne ich auch jedes Treffen mit einem Gespräch. Darüber Bescheid zu wissen, was passiert, wenn ich erregt bin als Frau, ermöglicht mir etwa, den entstehenden Druck im Becken ganz anders einzuordnen. Dann weiss ich doch erst, dass ich nicht aufs WC muss, sondern ejakulieren kann.

Trotz dieser Unwissenheit sollen ganze 68 Prozent der Frauen bei Orgasmen ejakulieren. Wie passt das zusammen?
Viele Frauen haben schon mal bewusst oder unbewusst ejakuliert. Meist liegt die Erinnerung daran allerdings tief. Ganz im Sinne von: ‹Ah, da war ich mal ein Abend völlig betrunken, da ist sowas passiert, war aber irgendwie peinlich und wir haben so getan, als sei nichts passiert und schnell geschlafen.› Die Menge der Flüssigkeit, die abgesondert wird, ist eben auch unglaublich unterschiedlich. Frauen, die ganz bewusst sagen: ‹Ich spritze, das erfüllt mich› gibt es nur wenige.

Woran liegt das?
Daran, dass weibliche Körperflüssigkeiten ein Tabu sind! Ejakulat, Ausfluss, Menstruationsblut. In puncto Menstruation tut sich endlich etwas, aber noch vor zehn Jahren war das auch nur eine schmutzige Angelegenheit, über die nicht gesprochen wurde. Nun ist weibliche Ejakulation auch noch mit Lust besetzt, das drängt es noch mehr in die schambesetzte Tabuecke. Interessant ist übrigens, dass Frauen immer ganz genau wissen wollen, was für eine Flüssigkeit aus ihnen herauskommt.Und?
Da sich viele nicht vorstellen können, woher solch teilweise ja sehr grossen Mengen kommen können, taucht immer wieder der Urinverdacht auf. Dabei wissen die meisten Frauen intuitiv, dass das nicht sein kann, die Flüssigkeit riecht anders, schmeckt anders, sieht anders aus. Warum müssen wir das denn auch so genau wissen? Es hat doch auch kaum einer Ahnung, wie genau sich Sperma zusammensetzt. Ich finde das merkwürdig.

Was für Frauen kommen eigentlich zu Ihnen?
Meine Kundinnen sind extrem unterschiedlich. Ich habe esoterische Frauen, die ihre Sexualität mit der Spiritualität verbinden möchten. Frauen, die eine problembehaftete Vorgeschichte haben und durch die Tantramassage Blockaden lösen wollen. Etwa, wenn sie keinen Orgasmus haben oder auch traumatisiert sind, Mühe haben, sich auf Männer einzulassen. Und Frauen, die etwas Neues erleben wollen und einfach Lust auf eine wohltuende Massage haben.

Wenn Sie gerade nicht zur Hand sind: Wie kann ich mich zuhause zum Ejakulieren bringen?
Vor allem geht es darum, spielerisch herauszufinden, wie ich mich berühren kann. Frauen sind anatomisch unglaublich unterschiedlich und es lohnt sich, ruhig mal in die Hocke zu gehen oder auch zu knien. Das ergibt neue Möglichkeiten, in die Vagina zu greifen und Druck auf die G-Fläche aufzubauen – und den braucht es.

Eignet sich ein bestimmtes Sextoy zur Unterstützung?
Während der klassisch-gerade Vibrator nicht gut geeignet ist, sind Toys mit einer Hebelwirkung besser. Der «Pure Wand», ein Metallstab, ist beispielsweise super geeignet – übrigens auch zur Stimulation der männlichen Prostata.

Was habe ich eigentlich davon, wenn ich als Frau ejakulieren kann?
Wie sich das genau anfühlt, kann ich natürlich nicht sagen. Ich kann nur beschreiben, was mir erzählt wird und da geht es vor allem um das befreiende Gefühl, wenn der Druck sich löst. Durch die intensive Stimulation der G-Fläche, die Teil des Klitoriskomplexes ist, werden vielleicht nochmal stärkere Orgasmen als gewohnt ausgelöst und die münden in einem tiefen, ruhigen Glücksgefühl – ähnlich wie wir das von Männern nach dem Orgasmus kennen, die nach dem Sex keinen Finger mehr rühren. Ich kenne mittlerweile auch etliche Frauen, die Spass daran haben, Flüssigkeit abzusondern, ihre Erregung nach aussen zu zeigen. Auch das ist ja oft schambesetzt und wer sich erstmal befreit hat, kann grosse Freude daran haben, Lust auch zeigen zu dürfen.

Ist die Ejakulation an den Orgasmus gekoppelt?
Nein. Beim Mann übrigens auch nicht. Das an den Orgasmus gekoppelte Auswerfen der Flüssigkeit ist einfach oftmals antrainiert, aber Männer wie Frauen können Orgasmen haben, ohne zu ejakulieren und umgekehrt. Bei Frauen, deren Prostata weit hinten liegt, kann es auch zu einer Rückführung der Ejakulationsflüssigkeit in die Blase kommen, deswegen denken auch viele, dass sie nach dem Sex Wasser lassen müssen.

Die Pornoindustrie hat mit Squirting-Videos einen florierenden Absatzmarkt entdeckt – wie kommt es, dass hier ejakulierende Frauen so gefragt sind?
Weil man endlich die Erregung der Frau bildlich darstellen kann, deswegen ist Squirting pornografisch gesehen unglaublich spannend. Einerseits ist das ja auch super, denn es klärt auf und ich kenne etliche Männer, die erst über Pornos von ejakulierenden Frauen erfahren haben und das geil finden. Gefährlich wird es, wenn durch die Pornos Stress im Bett entsteht. Statt zu feiern, dass der weibliche Körper ejakulieren kann und darf, wird unter Männern ein Wettbewerb draus, wer es denn schafft, die Frau zum Ejakulieren zu bringen.

Sie bringen Frauen sowohl zum Orgasmus als auch zum Ejakulieren – entsteht dabei nicht auch mal die Lust auf Sex mit Ihnen?
Natürlich. Es entsteht Lust und ganz klar auch die Lust auf Sex, manchmal auch auf beiden Seiten. Ich bin ja auch nur Mensch!

Sind Sie während der Massagen nackt?
Ja, es sei denn jemand wünscht explizit das Gegenteil. Es ist megaschön, was aus dieser Situation entstehen darf. Wichtiger Bestandteil meines Berufs ist es auch deswegen, genau zu wissen, wo die Grenzen liegen. Denn auch wenn die Situation noch so geil und aufgeladen ist, wird es nicht zum Sex mit mir kommen.

Ist sicher nicht immer leicht, Aussenstehenden Ihren Beruf zu erklären, oder?
Das war ein Prozess, anfangs hatte ich manchmal noch Mühe, jetzt nicht mehr. Eine gewisse Lust an der Provokation habe ich ja auch. Reaktionen reichen von betretenem Schweigen zu tausend Fragen.

Fragen implizieren ja noch eine gewisse Offenheit und Interesse. Blöd wird es doch erst, wenn man nach dem Motto angeschaut wird: Bist du pervers?
Ach, damit kann ich auch gut leben. Da liegen die Gründe dann auch eher wieder bei der gegenüberliegenden Person. Meist entstehen gute Gespräche, selbst wenn ich merke, da hat jemand grosse Mühe oder ist beschämt. Und wenn ich merke, dass man gar nicht weiterkommt, reden wir halt wieder übers Wetter.

von Sarah Lau

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So einen wie ihn gibt es in der Schweiz nur einmal: Patrick Angele vereint die Lust am Streik mit der Lust am Körper.

Von: NINA SEILER | FOTOS NICOLAS ZONVI

Der Raum mit den rohen Betonwänden wirkt intim, strahlt Ruhe und Wärme aus. Patrick Angele, Ex-Teamleiter Bau bei der Unia Zürich-Schaffhausen, hat seine Praxis in der Zürcher Agglomeration, zwischen
Autobahnbrücken und Industriebauten, spürbar liebevoll gestaltet. Hier macht er Tantra-Massagen – Ganzkörpermassagen, die auch die intimen Körperstellen einbeziehen.

SEXUALITÄT UND POLITIK.

Auf dem gelben Sofa schildert Angele bei einer Tasse Tee seinen Weg von der politischen Kampfbahn ins Reich der Sinne. Der 30jährige sagt: «Ich will, dass es den Leuten gutgeht, dass sie Lust und Freude haben am Leben. Es braucht einen guten Job, eine gute Bezahlung und eine anständige Rente, damit man lustvoll leben kann. Das war immer mein Ziel, darum habe ich in der
Gewerkschaft gearbeitet.» Und: «Ich hatte immer Lust und Freude am Kampf, am Streit, am Streik. Auf dem Bau haben wir versucht, Solidarität und die Freude am Zusammensein zu verbinden: zusammen essen, zusammen trinken, zusammen lachen.»

Kann bewusste Sexualität dabei helfen, lebendiger und mit mehr Lust zu politisieren? Angele bejaht. Der Wechsel von Beton, Kränen und roten Jacken zu Kerzenlicht und Sinnlichkeit ist für ihn, der nach wie vor Unia- und SP-Mitglied ist, kein Bruch: «Es ist schon etwas ganz anderes, aber nicht so weit weg von dem, was ich früher gemacht habe. Ich schliesse auch nicht aus, dass ich irgendwann wieder auf einer Baustelle stehe.»

MEHR MÄNNER ALS FRAUEN.

Seine Kundschaft bucht fast nur Tantra-Massagen: «Klassische Masseure gibt es wie Sand am
Meer», erklärt der frühere Bauleiter. «In der Schweiz bin ich aber der Einzige mit einem vergleichbaren Profil: ein Mann, der Männer und Frauen massiert, mit einem nüchternen und klaren Auftritt.» Zu Angele kommen einfache Leute, aber auch Studierte – von der 24jährigen Studentin, die ihre Sexualität entdeckt, bis zum 79jährigen, der sein Leben lang davon geträumt hat, dass ein Mann ihn berührt. Vom schwulen 35jährigen, der sich nach Langsamkeit statt schnellem Sex sehnt, bis zur 50jährigen Frau, die als Kind sexuellen Missbrauch erlebte. Viele bringen ein Thema mit: Männer, die zu früh kommen, oder Frauen, die nicht kommen können. Manche wollen aber auch einfach nur geniessen. Es geht im Tantra nicht um sexuelle Befriedigung – obwohl es hier auch Raum für Erregung gibt –, sondern um die Wahrnehmung des
ganzen Körpers.

Zurzeit hat der Tantra-Masseur deutlich mehr männliche Kunden. Er erzählt: «Männliche Sexualität scheint einfach: Der Penis richtet sich auf und der Mann kommt – wenn nicht, dann gibt es Viagra. Wenn der Mann keine Frau hat, geht er ins Bordell oder konsumiert Pornos. Dass es da noch viel mehr zu entdecken und zu leben gibt, dass auch Verletzlichkeit dazu gehört und das Eingeständnis, dass man als Mann vielleicht mal eine Erfahrung mit einem Mann haben möchte – das wird kaum diskutiert, darüber sprechen Männer auch untereinander nicht.»

EINEN TRAUM ERFÜLLT.

Schade findet Angele, dass sich so wenig Frauen eine Tantra-Massage gönnen: «Als Sexobjekte sind
Frauen überall präsent, aber eine Frau, die Lust hat, ihre Lust zeigt und die Befriedigung ihrer Lust einfordert, wird schnell als Schlampe betitelt.» Bei Frauen sei das Verhältnis zum eigenen Körper «anders als bei Buben, die schon als Baby mit ihrem Penis spielen. Bei Mädchen gibt es nicht einmal Namen für ‹das da unten› oder nur Schimpfwörter. Ich kenne so viele erwachsene Frauen, die keinen liebevollen Bezug zu ihrem Körper haben.»

Mit dem eigenen Studio hat Angele sich einen Traum erfüllt. «Das hat eine Portion Mut gebraucht.» Doch das Geschäft läuft gut, auch dank Auftritten in den Medien. Angele: «Natürlich profitiere ich geschäftlich
von dieser Werbung. Aber: Die meisten, die zu mir kommen, tun das zum ersten Mal, und ich glaube, dass es viel ausmacht, wenn sie meine Geschichte kennen.» Inzwischen ist er zwei Wochen im
voraus ausgebucht – und geniesst die Entschleunigung an seinem neuen Arbeitsort: «Jetzt spaziere ich nur durch den Innenhof und kann zu Hause in Ruhe mit der Familie zu Mittag essen. Das ist Lebensqualität, das geniesse ich.»

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Patrick Angele, Tantramasseur und ehemaliger Unia-Sekretär | TalkTäglich | Erstellt: 30.05.2017


Vom Streikführer zum Tantramasseur | Tages Anzeiger | Erstellt: 05.05.2017

«Das ist ein Bruch in meiner Biografie», sagt Patrick Angele. Er hat 2016 die Gewerkschaft Unia verlassen und steht nun ohne Job, Berufung und Nervenkitzel da. Der 30-Jährige ist adrett angezogen, perfekt gestylt. Er sieht gut aus, ist charmant und entspricht nicht dem Bild eines kämpferischen Gewerkschafters, der auf schmutzigen Baustellen unterbezahlte Arbeiter aus dem Schacht holt, zum Streik führt und sich mit Baulöwen anlegt. Doch genau das war Angele ein Jahrzehnt lang. Bis in der Unia die Affäre Burger explodierte.

Zu seinem ehemaligen Chef Roman Burger will Patrick Angele nichts sagen. Burger wurde vorgeworfen, Mitarbeiterinnen sexuell belästigt und Psychospielchen betrieben zu haben. Angele war in Zürich Leiter Bau, wechselte im Zuge der Affäre Burger zur Unia nach Bern und ging dann bald ganz. Das Klima war bedrückend, der Zürcher Konflikt hat auch die Zentrale in Bern belastet. «Was mit dem Leben anfangen?», fragte sich der damals 29-Jährige, der heute eigentlich SP-Nationalrat sein müsste.

Auf einen Kampfjet geklettert

«Nach meinem Weggang bei der Unia lag meine Zukunft offen vor mir, ich konnte mich neu erfinden», erzählt Angele. Nach einem Leben mit Trillerpfeife, roter Weste, Demos und Streiks hat er sich im letzten Herbst neu orientieren müssen. Er stand an vorderster Front beim «Zara-Streik» an der Bahnhofstrasse oder beim «Polen-Streik» und beim «Pipi-Streik» im HB, als den Bauarbeitern im Durchgangsbahnhof aus Plumpsklos alter Personenwagen Urin auf die Köpfe tropfte. Als GSoA-Sekretär war er 2010 im Verkehrshaus auf einen Kampfjet geklettert, um gegen neue Militärflugzeuge zu demonstrieren.

Auch Angeles politische Karriere war vorbei, bevor jene der meisten anderen Politiker überhaupt beginnt. Dabei wurde er lange als SP-Nachwuchsstar ­gehätschelt. 2010 wäre Angele in Dübendorf als Präsident des Gemeinderates gesetzt gewesen, wurde aber wegen eines Komplotts von SVP und FDP nicht gewählt. Ein Armeeabschaffer, das machte sich nicht in einer bürgerlichen Stadt mit Kaserne und Militärflughafen.

Der umtriebige Juso-Vertreter startete 2011 und 2015 auf Polepositions direkt hinter den Bisherigen auf der SP-Nationalratsliste, wurde aber beide Male nach hinten gereicht. Viele hatten es ­Angele übel genommen, dass er in echter Juso-Manier einen Verzicht der Sesselkleber forderte. Als Jungspund war Angele Präsident der SP des Bezirks Uster, Mitglied der Geschäftsleitung der kantonalen SP und zusammen mit Cédric Wermuth in der Juso Schweiz aktiv.

Als Arbeitsloser ging Angele im Herbst zur Arbeitsvermittlung RAV auf der Suche nach einer beruflichen Neuorientierung. Er prüfte Angebote mehrerer gemeinnütziger Organisationen und aus dem Gastgewerbe. Doch dann besann er sich auf seine Wurzeln. Angele war nicht wie viele als Geschichts­student in Partei und Gewerkschaft eingestiegen – sondern als medizinischer Masseur mit Abschluss.

Um den kargen Lohn bei der GSoA aufzubessern, hatte er als Masseur in Wellnessoasen und im Migros-Fitnesspark Hamam gearbeitet. Massiert hatte er auch ab und zu während der Jahre bei der Unia. «Bei der klassischen Massage fehlte mir aber die Ganzheitlichkeit und eine Selbstverständlichkeit im Umgang damit, dass auch sexuelle Erregung auftreten kann, wenn wir jemanden berühren.» Und so besuchte er in Zürich das Institut für Sexological Bodywork und liess sich ein halbes Jahr lang zum Tantramasseur ausbilden.

Frisch verheiratet

Unverkrampft schildert er, was eine Tantramassage ist: «Eine Ganzkörpermassage, die auch das berühmte kleine Dreieck am Körper nicht auslässt.» Tantramassagen umfassen also meist auch die Massage der weiblichen beziehungsweise männlichen Geschlechtsorgane.

«Ich bin tatsächlich sehr unverklemmt», sagt Angele, der kürzlich seine langjährige Partnerin geheiratet hat und demnächst Vater wird. Sie wohnen in Dübendorf im hippen Zwicki-Areal, wo Angele nun einen Raum als Massagepraxis gemietet hat. Professionelle Tantrastudios gibts in Zürich erst etwa zehn. Im Schweizerischen Förderverband sind 150 Mitglieder gemeldet. Im Gegensatz zur 50-fränkigen Thaimassage im Zürcher Rotlichtmilieu mit dem berühmten Happy End sei der Orgasmus bei der Tantramassage «nicht Absicht, aber durchaus möglich». Die Tantramassage sei eine wundervolle Möglichkeit, einen anderen Menschen in ein sinnliches Erleben zu begleiten. Geschlechtsverkehr allerdings ist tabu.

In seiner Praxis will Angele Männern, Frauen und Paaren einen gelösten Umgang mit Lust ermöglichen. «Körperlichkeit und Sexualität sind nichts Schmutziges, sondern etwas zum Geniessen.» In seiner Ausbildung habe er viele tolle Leute kennen gelernt, die tolle Arbeit in diesem Bereich leisten, aber noch immer unter dem Schmuddelimage der Massagebranche leiden würden.

Am letzten 1.-Mai-Umzug war Patrick Angele erstmals seit zwölf Jahren nicht mit Megafon, Funkgerät und oranger Unia-Weste dabei, sondern salopp gekleidet und mit Regenschirm. «Bei der Unia bleibe ich aktives Mitglied», sagt er, «schliesslich arbeite ich in einem Dienstleistungsbetrieb.»

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